Sonntag, 25. Januar 2015

Gezeichnete Selfies und Mitreisende

Als Kind habe ich auf Reisen und in den Ferien meine Abenteuer immer  zeichnerisch dokumentiert und da meine Figuren  und anderen "unsichtbare Begleiter" stets mitkamen, erzählten die Geschichten auch, wie es ihnen dabei erging. Genaugenommen, erzählte ich nur von ihnen. Schon deswegen, weil ich *mich* nicht zeichnen mochte.

Letzteres finde ich auch heute schwierig. Nicht, weil ich eine so komplexe Visage hätte, sondern weil ich mir komisch dabei vorkomme. Dabei gibt es eine Reihe von Künstlern die, gezeichnet,  im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Figur machen; Roberta Gregory zum Beispiel, aber auch GEIER as himself oder in der Rolle des DOKTOR WER

Solche Beispiele machen mir etwas Mut. Da ich unterwegs  keinen grobstofflichen, diesseitigen Begleiter haben werde, der mir Kafffee kocht, Mörder und Halunken vom Hals hält und mich last but not least fotografiert, bleibt mir gar nichts anderes übrig als wenigstens zeichnerisch festzuhalten, dass ich an dieser Pilgerfahrt teilnehme.
Aber natürlich werden John und Aldo immer dabei sein.  Denn schliesslich besuchen wir Aldos Grab und JFK kommt mit.




Aldo und ich, wir sind beide Frostbeulen. Das Training bei Kälte macht uns zu schaffen.  Nun brechen wir ja erst Ende April auf, dann sollte eigentlich Frühling sein...sollte. Ich erinnere mich an Mai Tage im Minustemperaturenbereich! Und so schwingt beim Packen immer die Angst vor dem Frieren mit.

Dienstag, 20. Januar 2015

Januarkälte

Obwohl das Thermometer heute nur um die ein Grad minus anzeigte, war es heute gefühlt weitaus kälter. Leichter Schneefall. Ich tröste mich damit, dass es Frühling sein wird, wenn wir aufbrechen. Und dennoch: Diese Temperaturen liegen auch dann durchaus drin, vor allem in den Alpen.

Heidi ist ob der Kälte aufgekratzt und lebhaft. Ich habe eigentlich eher Lust mich unter die Decke zu verkriechen, samt Wärmeflasche...

Und dennoch: sobald ein Sonnenstrahl durch die Wolken bricht, schlägt das Herz höher. Der Ruf der Ferne wird immer lauter. Im Wind spüre ich Aldos Hand. So langsam erwacht das innere FEuer wieder.



Ich zeichne auch wieder an den Reisemotiven...



Montag, 12. Januar 2015

Schockwandler

Die dunklen Tage  beherrschen weiter das Land. Überall ist das tiefe Trauma das über der ganzen Nation liegt, spürbar.
Es lauert als bleierner Schatten in jeder Ecke und ist als grauer Schleier in jedes Gesicht gemeisselt.

Auch ich bin hingefallen und komme nicht mehr hoch. Jeder Versuch, wieder aufzustehen wird niedergedrückt  durch eine Beton-Platte, einer Salve Kugeln ins Herz. Es ist Mischung aus Schuldgefühl "Wie kann ich weitermachen, wo das doch passiert ist, wo SIE nicht mehr weitermachen können?" und einem allumfassenden Gefühl der Sinnlosigkeit.

Italien und Aldo Moro scheinen so fern wie noch nie.
Zum ersten Mal, seit ich vor mehr als einem Jahr den Entschluss fasste, die Pilgerfahrt zu machen, fehlt mir die Motivation. Die blühenden Träume von majestätischen Bergen, kristallklaren  Buchten, von Zikaden und Sternen, verblassen zu einer irrealen, vergangenen  Halluzination, die sich entfernt.

Das Training ist nur noch Pflicht. Das Pferd muss schliesslich bewegt werden.
Ich breche auf, aber ohne Lust.  Jeder Fehler, den das Tier macht ärgert mich. Und wieder scheut Heidi, stürmt nach vorn, wegen scheinbar nichts. Ich kann sie halten, aber ich verfluche sie. Ein "Scheissvieh" entfährt mir, ausgestossen in die kalte Luft der Sinnlosigkeit.

Unten im Wald, da ist dieser Weg entlang des "Ruisseau des Cailloux" - Baches, den ich schon lange mal begehen wollte. Doch  das Schmelzwasser hat den Bach zum reissenden Fluss gemacht. An vielen Stellen ist er über die Ufer getreten. Ein Baum liegt auch noch quer.  Auf den ersten Blick, ist alles unpassierbar.
Um mit Kojak zu sprechen: Entzückend!
Ich weiss; unterwegs wird es viele solche Situationen geben.

Und jetzt stinkt mir das ganze erst recht.

Ich wende das Pferd. Nur nach Hause, den Gaul auf dem Paddock parken und dann ab aufs Sofa.

Dann wird mir klar: Wenn ich jetzt umkehre, dann endgültig. Dann werde ich Morgen nicht wieder kommen um zu sehen, ob der Weg jetzt vielleicht passierbar ist.
Und das war's dann mit Aldo, den Sternen und den Zikaden.



Also stackse ich den glitschig-matschigen Steilhang hinunter. Heidi, nervös von dem lauter hin und her, setzt sich auch in Bewegung.  Viel zu schnell, ich bremse sie aus. Sie muss lernen, mir auf solchen schwierigen Wegen langsam und mit Abstand zu folgen.
Lernen?
Dann bin ich also doch wieder mittendrin, im Training.
Wir Kämpfen uns über die rutschigen Steine am Ufer, umgehen den Baum, in dem wir wieder eine Böschung hinauf in den Wald klettern, dann wieder runter.
Wir meistern die schwierige Stelle. Das Licht das durch den Wald bricht und auf dem wilden Wasser funkelt, scheint für einen Augenblick einen Gruss aus dem fernen Apulien mitzubringen.





Mittwoch, 31. Dezember 2014

Abschied vom alten Jahr.


Der letzte Sonnenuntergang im 2014.
Irgendwo hinter diesem Horizont, Süd-Süd-Ost liegt das ferne Ziel. Ab Morgen läuft der Countdown an.

Samstag, 27. Dezember 2014

Farbenlehre

Dass unterwegs gezeichnet werden wird, ist klar. Weniger klar war, womit.

Meine Fässchen mit der flüssigen Ecoline Farbe zu transportieren, ist stets eine riskante Angelegenheit. Schon auf dem Weg vom Regal auf den Tisch kann viel passieren. Mein Teppich mutiert bereits seit Jahren zum bunten Dalmatiner.

Die Ecolines aufs Pferd zu laden kommt also gar nicht in die Frage.
Wie also unterwegs schöne, farbige Zeichnungen herstellen?

Die Lösung liegt in sogenannten Aquarellierstiften. Das sind wasserlösliche Farbstifte. Man kann mit ihnen ganz normal zeichnen und kolorieren. Wenn man danach mit einem nassen Pinsel die Farbflächen übermalt, ist es möglich, einen "Aquarell Effekt" zu erzeugen.

Der Gedanke, nur ein Etui voller Buntstifte, ein paar Pinsel und einen Plastikbecher für das Wasser  dabei zu haben und damit in der Lage zu sein, wo immer ich gerade bin, hochfeine Zeichnungen zu realisieren, ist sehr spannend.

Doch bedeutet das für mich, ich muss eine neue Technik erlernen.  Um sie auf der Reise einigermassen zu beherrschen, fange ich jetzt mit dem Üben an. Alles muss neu probiert und aus-experimentiert werden:  Die Menge an Wasser, die Druckstärke mit dem Stift... Das Gespür für die zu erwartenden Mischergebnisse muss erst wachsen.

Das ist alles andere als einfach. Aber so langsam werden die Ergebnisse besser. Wie echtes Aquarell sieht das dann  (zummindest bei mir) nicht aus. Aber nach etwas anderem, eigenen.



Mittwoch, 19. November 2014

The old era is ending...

Bald ist es exakt ein Jahr her, seit ich den Entschluss zur Pilgerfahrt fasste.
Es sind noch 156 Tage bis zum geplanten Aufbruchstag.  Mehr denn je scheint mir das Unterfangen verrückt, unmöglich und kaum realisierbar. Und dennoch: Was hat sich in diesem Jahr alles getan! Zwischen der Ersten Idee und der Situation  jetzt liegen Welten. Welten an Erfahrungen und Welten des Lernens.

Anderthalb Jahre Vorbereitung - das ist wahrlich nicht zu viel gewesen.

Mein altes Leben ist eine abkühlende Glut. Fast jeden Tag mache ich etwas "so zum letzten Mal". Unweigerlich nähert sich die gefürchtete Phase in der das Alte nicht mehr und das Neue noch nicht ist. Dieses schwarze Loch, das es zu überwinden gilt.

Und noch habe ich mich nicht wirklich an den neuen Lebensrhythmus gewöhnt. Fühle mich immer noch unter Druck, will leisten, schnell fertig werden, will mich irgendwo "bewerben", hoffe auf Erfolg.

Je näher das unbekannte rückt, desto mehr suche, brauche ich Halt beim Schutzpatron und Ziel meiner Reise: Aldo Moro. Ich schreibe ihm Briefe, Bitte um Beistand, fühle seine Wärme und freue mich über kleine Zeichen.
Aber auch John F's Energie ist mehr denn je gefragt. Denn der Pionier, der Abenteurer, das ist er. Die "Neuen Grenzen" der Aufbruch ins Unbekannte, das war sein Lebensthema. Sowohl auf intellektuell geistiger Ebene, als auch auf der physischen.
Sein Mut gibt mir halt. Obwohl - oder gerade deshalb, weil er gesagt hat "Die Geschichten von Mut in der Vergangenheit kann uns inspirieren, kann uns Hoffnung geben, aber nicht Mut an sich. Dafür muss jeder Mensch in seine eigene Seele blicken.".  Doch

"We are not here to curse the darkness, but to light a candle that can guide us through that darkness to a safe and sane future. For the world is changing. The old era is ending. The old ways will not do. " - JFK